Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50 des EU AI Act. Damit sind in der Europäischen Union neue Anforderungen in Kraft getreten, die unter anderem den Umgang mit Chatbots, bestimmten KI-generierten Inhalten und die Transparenz bei der Nutzung künstlicher Intelligenz betreffen.
Während in vielen Medien vor allem über Kennzeichnungspflichten und neue Vorgaben diskutiert wird, stellt sich für Unternehmen eine viel grundlegendere Frage:
Wissen wir eigentlich, wo wir bereits KI einsetzen? Denn genau hier beginnt bei vielen Unternehmen die eigentliche Herausforderung. Nicht bei der rechtlichen Bewertung. Nicht bei der Kennzeichnung. Sondern beim Überblick über bestehende Systeme, Werkzeuge und Prozesse.
Die meisten Unternehmen nutzen heute bereits künstliche Intelligenz – häufig sogar an mehreren Stellen gleichzeitig. Microsoft Copilot unterstützt bei E-Mails und Dokumenten, Chatbots beantworten Anfragen auf Websites, Bilder entstehen mit KI-Bildgeneratoren und Inhalte werden mit Unterstützung von KI erstellt oder überarbeitet.
Das Problem dabei ist selten die Technologie selbst. Das Problem ist, dass viele Unternehmen längst nicht mehr genau wissen, wo KI im Alltag bereits eingesetzt wird und welche Auswirkungen das auf Prozesse, Transparenz und Dokumentation haben kann.
Die meisten Unternehmen nutzen bereits KI – oft ohne es bewusst zu steuern
Noch vor wenigen Jahren war künstliche Intelligenz ein Thema für Spezialisten. Heute steckt sie in Standardsoftware, die täglich verwendet wird. Microsoft Copilot in Microsoft 365, KI-Funktionen in Grafikprogrammen, automatische Textgeneratoren, Chatbots auf Websites oder KI-gestützte Suchfunktionen gehören inzwischen zum normalen Werkzeugkasten vieler Unternehmen.
Genau deshalb wird es zunehmend schwierig, den Überblick zu behalten.
Ein Marketing-Team erstellt ein Bild mit Firefly. Ein Mitarbeiter lässt sich von Copilot eine E-Mail formulieren. Ein Chatbot beantwortet Anfragen auf der Website. Ein Blogartikel wird mit Unterstützung von KI geschrieben und anschließend veröffentlicht.
Jede einzelne Maßnahme wirkt harmlos. Zusammengenommen entsteht jedoch eine Situation, in der viele Unternehmen gar nicht mehr genau wissen, wo KI eingesetzt wird und welche Auswirkungen das haben kann.
Drei Fragen, die sich Unternehmen jetzt stellen sollten
Bevor man über Kennzeichnung, Transparenzpflichten oder interne Richtlinien spricht, lohnt sich eine einfache Bestandsaufnahme.
Die erste Frage lautet:
Haben Sie einen Chatbot auf Ihrer Website?
Viele Unternehmen haben in den vergangenen Monaten Assistenten oder Chatbots integriert. Manche beantworten allgemeine Fragen, andere unterstützen im Support oder helfen bei der Navigation auf der Website. Wenn Besucher direkt mit einer KI interagieren, können Transparenzpflichten relevant werden. Nutzer sollen erkennen können, dass sie nicht mit einem Menschen kommunizieren. Genau deshalb wird das Thema aktuell für viele Website-Betreiber interessant.
Die zweite Frage:
Verwenden Sie KI-generierte Bilder?
KI-Bildgeneratoren haben den Arbeitsalltag vieler Marketing-Abteilungen verändert. Bilder entstehen heute innerhalb weniger Minuten statt in mehreren Stunden oder Tagen.
Die spannende Frage ist nicht, ob solche Bilder verwendet werden dürfen. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wo werden sie eingesetzt? Auf der Website? Im Webshop? In Blogartikeln? In Social-Media-Posts?
Mit den neuen Transparenzanforderungen gewinnt genau diese Dokumentation an Bedeutung.
Und dann gibt es noch die dritte Frage:
Werden KI-generierte Texte veröffentlicht?
Hier wird es besonders interessant. Denn mittlerweile nutzen viele Unternehmen KI für Blogbeiträge, Produktbeschreibungen, Newsletter oder Social-Media-Inhalte.
Das Problem dabei ist selten die Technologie selbst. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, nachvollziehen zu können, wie Inhalte entstanden sind und wer letztlich die Verantwortung dafür trägt.
Spätestens wenn mehrere Personen, verschiedene Tools und unterschiedliche Prozesse beteiligt sind, wird dieses Thema schnell komplexer als erwartet.
Wie eine transparente Kennzeichnung in der Praxis aussehen kann
Die gute Nachricht: In vielen Fällen sind die notwendigen Transparenzhinweise technisch einfach umzusetzen. Bei Chatbots reicht oft bereits ein klarer Hinweis, dass Nutzer mit einem KI-System und nicht mit einem Menschen kommunizieren. Für KI-generierte Bilder kann ein entsprechender Vermerk direkt beim Bild oder auf der jeweiligen Seite ergänzt werden, beispielsweise „Dieses Bild wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt“. Bei KI-unterstützten Texten wird häufig ein Hinweis verwendet, dass der Inhalt ganz oder teilweise mit Hilfe von KI erstellt und anschließend redaktionell geprüft wurde. Entscheidend ist dabei weniger die konkrete Formulierung als die Transparenz gegenüber Nutzern. Unternehmen sollten nachvollziehbar dokumentieren können, wo KI eingesetzt wird und welche Prozesse dabei gelten.
Die Kennzeichnung ist meistens nicht das eigentliche Problem
Viele Unternehmen fokussieren sich aktuell auf die Frage, ob und wie Inhalte gekennzeichnet werden müssen.
Dabei liegt die größere Herausforderung oft ganz woanders.
Wer nicht weiß,
- welche KI-Systeme im Einsatz sind,
- welche Inhalte damit erstellt werden,
- welche Mitarbeiter sie nutzen,
- oder auf welchen Plattformen sie eingesetzt werden,
kann weder Transparenz schaffen noch Prozesse definieren.
Mit anderen Worten:
Man kann nichts dokumentieren, was man nicht kennt.
Genau deshalb beginnt jede sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Thema nicht bei der Kennzeichnung, sondern bei einer Inventur.
Warum Websites und Webshops besonders betroffen sind
Gerade auf Websites und in Webshops kommen heute viele verschiedene KI-Anwendungen zusammen.
Da ist der Chatbot im Support. Die automatisch erzeugten Produkttexte. Die KI-generierten Bilder auf Landingpages. Vielleicht sogar Suchfunktionen oder Content-Tools, die bereits künstliche Intelligenz verwenden.
Einzelne Komponenten wirken oft unkritisch. Gemeinsam bilden sie jedoch ein System, das aktiv gesteuert werden sollte.
Wer erst dann reagiert, wenn konkrete Anforderungen oder Fragen auftauchen, startet meistens zu spät. Deutlich sinnvoller ist es, bereits jetzt Transparenz über die vorhandenen Systeme zu schaffen.
Keine Panik – aber Klarheit schaffen
Das Thema KI wird in den kommenden Jahren nicht kleiner werden. Gleichzeitig besteht für die meisten Unternehmen aktuell kein Grund zur Panik.
Die wichtigste Aufgabe besteht zunächst darin, einen Überblick zu gewinnen.
Wo wird KI eingesetzt? Welche Prozesse sind betroffen? Welche Inhalte entstehen damit? Und welche Regeln gelten intern?
Wer diese Fragen beantworten kann, schafft die Grundlage für alles Weitere.
Fazit: Die meisten Unternehmen haben kein KI-Problem – sondern ein Inventurproblem
Wenn über den AI Act gesprochen wird, denken viele zunächst an Kennzeichnungspflichten, rechtliche Anforderungen oder technische Anpassungen.
In der Praxis beginnt alles viel früher.
Unternehmen müssen zuerst verstehen, wo KI überhaupt eingesetzt wird. Erst dann können sie entscheiden, welche Maßnahmen notwendig sind, welche Prozesse angepasst werden sollten und wie Transparenz sinnvoll umgesetzt werden kann.
Die eigentliche Herausforderung ist deshalb nicht die Kennzeichnung.
Die eigentliche Herausforderung ist, den Überblick zu behalten.
Sie möchten wissen, wo in Ihrem Unternehmen bereits KI eingesetzt wird?
IXSOL unterstützt bei der Bestandsaufnahme bestehender KI-Anwendungen auf Websites, Webshops und digitalen Plattformen. Gemeinsam schaffen wir Transparenz über eingesetzte Systeme, prüfen notwendige Anpassungen und unterstützen bei der technischen Umsetzung. Von Chatbot-Hinweisen über die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte bis hin zur Anpassung bestehender Web- und Shop-Systeme.
Quellen:
EU AI Act (EU-Verordnung 2024/1689), Europäische Kommission – AI Act & Transparency Guidelines, Microsoft 365 Copilot Dokumentation.
